Firmen in und um Boston

Man denkt immer, dass sich in Amerika alles in New York und San Francisco (oder im Silicon Valley) abspielt. Damit gibt es in der direkten Nähe von Boston sehr viele bekannte und teilweise große Firmen.

Ich muss allerdings ein wenig vorsichtig sein. US-Firmen haben meist viele Büros über das ganze Land verteilt. Wenn also eine Firma teilweise in Boston angesiedelt ist, heißt das noch lange nicht, dass sie nur hier ist. Ich versuche außerdem die Beschreibungen weniger genau und weniger technisch zu machen.

Die Bilder verlinken jeweils zu passenden Wikipedia-Artikeln, um mehr zu erfahren und meine Behauptungen zu widerlegen ;-)

Sun Microsystems

Sun baut große Computer, die normale Leute nicht zu sehen bekommen. Man kennt Sun eher von JAVA, das sich über das Web in die “normale” Computerwelt bewegt hat. Es gibt so einige Anwendungen, die mit JAVA programmiert sind. Oftmals sieht man das von außen garnicht. Besonders daran ist, dass sie meistens auf Windows, MacOS und Linux funktionieren, was wirklich eine tolle Sache ist.

Adobe

Diese Firma kennt man indirekt durch das PDF-Format. Wieder mal eine ganz tolle Sache! Man kann Dokumente verschicken und viele Leute können diese einfach öffnen und brauchen dabei nicht das Programm zu besitzen, mit dem es gemacht wurde. Außerdem verändert sich die Darstellung nicht mehr und alles sollte so bleiben, wie es der Ersteller sich vorgestellt hat.

Außerdem ist es bekannt für Photoshop und Flash. Letzteres ist eine große Diskussion beim kommenden Apple iPad, weil darauf nicht verfügbar sein wird. Das heißt z.B., dass man über Facebook kein Farmville spielen kann. Mich persönlich stört es nicht. Ich fange damit erst garnicht an ;-)

Autodesk

Diese Firma kennen wenige Leute. Wer den Namen schon mal gehört hat, ist irgendwie mit Architekten und anderen Ingenieuren in Kontakt.  Autodesk ein USA-Büro in Waltham, also direkt in dem Ort, in dem meine Uni ist. Ein Prof. von mir ist dort der Chef der Usability-Abteilung. Außerdem arbeiten (mindestens) zwei Mitstudenten (ich mag das Wort “Kommilitonen” nicht) dort.

Übrigens: Wenn jemand “Ohadodesg” sagt, dann ist diese Firma gemeint. Das ist wie mit Schmirgelpapier abgerundetes “Autodesk” ;-)

VistaPrint

Die machen kostenlose Visitenkarten. Jap, stimmt wirklich. Ich glaube, die haben auch schon mal kostenlosen Versand gehabt. Einziger Nachteil: 4-6 Wochen Lieferzeit. Meistens entscheidet man sich dann doch für 1-2 Wochen und bezahlt etwas dafür. Damit hat Vistaprint ziemlich viele Kunden bekommen. Der Hauptsitz ist übrigens auf den Bermudas. Nein, nein, das hat keine steuerlichen Gründe!

Wir waren mal dort und haben uns die Usability-Abteilung angeschaut. Das war ziemlich beeindruckend. Die machen z.B. Live-Tests mit ihren Benutzern im Warenkorb. Dann werden mal hier und da ein paar Infos oder Zusatzoptionen angeboten. Wenn die gut laufen und die Kunden drauf anspringen, dann bleibt es fest im System.

Mittlerweile bieten die alle möglichen Drucksachen an und sind durchaus mal einen Blick wert: http://www.vistaprint.de/

Monster

Tja, wer profitiert von höherer Arbeitslosigkeit? Rischdisch: Job-Portale! Einer der Hauptstandorte von Monster.com ist neben New York auch in Boston. Der Name ist eher verwirrend, wenn man sich im Internet-Jobmarkt nicht auskennt. Ein Prof meinte, dass die das aber nie so richtig mit dem Vermarkten von Jobs hinbekommen haben, weil sie nicht die Kundenwünsche erfüllt haben. Was genau seine Kritik war, weiß ich aber nicht mehr.

Auch hier arbeiten so einige meine Studienkollegen (wieder ein anderes Wort für Kommi…)

Dass die Geld für teure Werbung haben, zeigt die aktuelle Superbowl-Werbung (siehe unten). Ein Werbeplatz während des Football-Finalspiels ist unglaublich teuer und deshalb scheinen die Firmen auch immer tolle Werbung zu machen, damit die Leute nicht auf Toilette gehen,  sondern sich die Werbung anschauen. Bei uns in Deutschland würde man wahrscheinlich Dauerwerbesendung sagen, aber hier ist das fast schon normal: Fünf Minuten Spiel, dann wieder 3x Werbung usw.

Mein Kollege Tobias hat geschrieben, dass der Vorteil der ARD-Übertragung die Werbefreiheit ist, weil man dann häufiger das Leben am Spielfeldrand sieht. Das stimmt, aber man bekommt eben auch diese Werbung nicht mit und muss dann auf “Die witzigsten Werbespots der Welt” bei RTL2 warten ;-)

Bose

Man lernt fürs Leben… So habe ich auch gelernt, dass es nicht “Bohse” ist, sondern “Bous” (wie “close”) heißt. Ja, lacht ihr nur! Bekannt ist Bose für Premium-Lautsprecherboxen zu Premiumpreisen (Hifi-Apple sozusagen). Wikipedia erklärt die Firma viel besser als ich:

Gegründet wurde die Firma 1964 von Dr. Amar G. Bose, damals Professor für Elektrotechnik am Massachusetts Institute of Technology (MIT).  In den fünfziger Jahren, zu einem Zeitpunkt als Dr. Bose am MIT gerade promovierte, entschloss er sich, ein paar neue Lautsprecherboxen zu erwerben. Die Enttäuschung war jedoch groß, als er feststellen musste, dass Lautsprecher mit äußerst beeindruckenden technischen Daten bei einer naturgetreuen Klangwiedergabe, wie wir sie von einer Live-Darbietung gewohnt sind, absolut versagten.

Man kann mittlerweile nicht nur normale Hifi-Boxen kaufen, sondern auch Kopfhöhrer, iPod-Zubehör und Computer-Lautsprecher. Bekannt ist Bose vor allem auch für das grandiose Wave-Radio und für Lärm-reduzierende Kopfhöhrer. Das Radio ist wirklich gut seit längerer Zeit auch mit CD erhältlich. Man glaubt nicht, was aus so einem kleinen Gehäuse für ein Lärm rauskommen kann. Beeindruckend!

Staples

Der Mediamarkt für Büroartikel. Staples ist in den USA wie ein Synonym für Schreibwarenladen. Die namensgebende Heftklammer ist gut im Logo zu erkennen. Filialen gibt es sehr häufig und jede hat ein riesiges Angebot von Papier über Drucker und Stifte bis hin zu Verpackungen und Kalendern. Außerdem gibt es alles mögliche für geschäftliche Zwecke wie Quittungsblöcke und Schreibtisch-Organizer.

Staples hat zudem eine große Website, die auch regelmäßig auf ihre Usability überprüft und überarbeitet wird. Dafür gibt es extra eine Abteilung, deren Chef ein Absolvent aus meinem Studienprogramm ist. Auch hier werden immer wieder Leute hin empfohlen. Die haben darüber hinaus auch einen Testladen, in den man gehen kann. Dort werden Schilder und Waren-/Regalanordnungen getestet, bevor die Infos an alle Filialen weitergereicht werden.

Ich mag Staples. Wer mich kennt, weiß, dass ich neben Birgit auch auf außergewöhnliche Stifte stehe ;-) Normale Kugelschreiber kann ich garnicht haben! Das müssen schon Tintenroller oder die schönen itao-Kulis sein. Leider gibt es den orangefarbenen Stabilo-Roller Bionic hier nicht…

W3C

Das World Wide Web Consortium hat einen ihrer drei Standorte hier. Offiziell gibt es jedoch keinen Hauptsitz. Tim Berners-Lee, der Erfinder des WWW, lebt und arbeitet hier in Cambridge (Nebenort von Waltham). Das W3C wacht über die Technologien, mit den das WWW ermöglicht wird und “erfindet” neue (hab ich jetzt mal so flapsig gesagt).

Der Timmy — äh Sir Timmy — hatte übrigens auch die Idee, das WWW besser verständlich für Computer zu machen. Hä? Die verstehen das doch schon, sonst ginge es ja wohl nicht!? Naja, das ist ein bisschen wie früher in der Schule. Wenn man etwas für Geschichte oder Chemie auswendig gelernt hat, dann konnte man es vielleicht gut aufsagen, aber verstanden hat man es nicht. Die Idee ist also, den Texten mehr Sinn zu geben, sozusagen etwas zwischen die Zeilen zu schreiben. Tim nennt es Semantic Web.

Bei TED gibt es ein tolles Video mit einem Vortrag (spannend) darüber. Ich habe außerdem eine Hausarbeit darüber geschrieben. Vielleicht verlinke ich die hier irgendwann mal.

Zum Schluss noch eine interessante Verbindung: Die deutsche Übersetzung des Vortrags (bzw. der Textmitschrift für Untertitel etc.) hat mein ehemaliger Studienkollege Sven Henckel gemacht! Das habe ich durch Zufall herausgefunden. Für meine Recherchen waren ja sowieso nur die englischen Texte interessant.

Tja, so schließt sich der Kreis — oder sowas ähnliches sagt man doch immer zum Schluss …

4 Kommentare zu “Firmen in und um Boston”

  1. Maike 15 Februar 2010 at 05:56 #

    Ok, also dass Adobe in Boston mit Hauptsitz hockt war mit neu.

  2. Kathi 15 Februar 2010 at 13:13 #

    Uuuuh, ich habe auch immer Boh-se gesagt (ohne den Bindestricht). Bekommst Du Geld von den genannten Firmen? ;-)

  3. Fabian 15 Februar 2010 at 13:18 #

    Ich hab die Bose-Aussprache mal angepasst.

    Nee, bekomme kein Geld von den Firmen. Ich finde es einfach nur interessant, dass Boston gar nicht so “hinterweltlerisch” ist, wie es scheint. Trotzdem bleibt Amerika noch Zentren-focussiert. Ich habe den Eindruck, dass sich in Deutschland die Verteilung der maßgeblichen Firmen etwas mehr über das ganze Land ausbreitet. Vielleicht liegt das auch am deutschen Mittelstand …

  4. Fabian 15 Februar 2010 at 17:05 #

    Etwas neben dem Thema, aber doch ähnlich: Als ich in Wolfenbüttel studiert habe, wurde irgendwann eine Exkursion zum größten Computer-Museum der Welt angeboten. Ich dachte “Wow, da muss ich mit!” und hab mich näher informiert. Interessanterweise sollte der Bus nach Paderborn zum Heinz-Nixdorf-Museum fahren. Dadurch war es dann nicht mehr so wowig. Warum? Weil es nebenan ist! Man könnte ja mal eben hinfahren. Wohnt man aber weiter weg, macht es die Sache schon viel interessanter.

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