Recycle Mania!

Recycling ist in. Jedenfalls macht das so den Eindruck. Überall wird von Green IT (umweltfreundliche Computer?), Sustainability (Verträglichkeit in Bezug auf die Umwelt) und Carbon Footprint (CO2-Belastung) gesprochen. Das alles erinnert mich etwas an den Umweltengel, den man in meiner frühen Schulzeit eingeführt hat. Damals hab ich mich immer über die blöden Recycling-Schulhefte geärgert, weil die meinen Füller nicht mochten und die Schrift noch schlechter darauf aussah.

Wie anders ist Amerika in Bezug auf die Umweltfreundlichkeit? Es scheint mir etwas einfacher zu sein:

  • Es gibt nur zwei Tonnen.
    • keine Glascontainer
    • keine Dosencontainer
    • kein Kompost
    • keine Papiercontainer
    • keine Mehrwegflaschen, die man in Kästen sammeln und mühsam gegen Pfand eintauscht und dann neue Kästen besorgt.
  • Recycling-Material ist ziemlich genau definiert:
    • Papier und Pappe (wobei Pizzaboxen wegen der Kontamination mit viel Öl ausgenommen sind)
    • Plastik (wir sagen ja gerne Kunststoff ;-) ): Darin sind auch Deckel von Kaffee- und Cola-Bechern eingeschlossen (fürs gute Gewissen: “ist ja recyclebar!”)
    • Glasflaschen!
    • Alu-Dosen. Interessant an dieser Stelle: In Amerika heißt das Aluminum (genau lesen!), wobei man in England Aluminium sagt.
  • Das tolle daran: Alles kommt in eine Tonne! Die mittlerweile intelligente Technik sortiert alles maschinell auseinander

Was passiert mit dem Kompost? Kommt der einfach in den Restmüll? Dafür gibt es — wie ich finde sehr praktische – Hächsler, die in den Abfluss der Spüle eingebaut sind. Diese Disposer (oder Disposals) zerkleinern Essenreste und anderes Kompostmaterial und leiten es in die Kanalisation. Der Grund hinter den Zerkleinerern wird etwa so beschrieben:

  • Nahrungsmittel-Abfälle verderben und können gesundheitsschädlich für Menschen sein. Sie lassen sich zudem nicht gut transportieren und lagern.
  • Auf der Mülldemonie produzieren sie Metangas, was nicht gut für’s Klima ist (s.a. furzende Kühe).
  • Diese Abfälle bestehen zu 70% aus Wasser
  • … somit könnten vorhandene Wege genutzt werden, um diese Abfälle zu beseitigen: Kläranlagen

Auch dies ist praktisch, weil solche Abfälle sofort weg sind.

Recycle Mania

Zurück zum Thema: Vor einigen Tagen kam eine Mail der Uni, in der auf einen Wettbewerb hingewiesen wurde. Daran können sich Schulen und Unis beteiligen. Sollen wir nun viel Müll produzieren oder viel recyclen? ;-)

Es wird definitiv viel mehr Einmal-Material verwendet als in Deutschland:

  • In der Kantine gibt es kein Mehrweg-Geschirr und -Besteck: Alles ist aus Plastik und Styropor!
  • Viele Studenten haben nur Pappteller und Plastikbesteck und schmeißen demnach viel weg. Ich muss dazu ergänzen: Die Qualität ist wirklich gut! Durchgesiffte Pappteller nach der ersten Bratwurst mit Kartoffelsalat sind eher selten. Das Besteck ist zudem sehr stabil (und auch chromfarben erhältlich!)
    • In günstigen Hotels (Holiday Inn, …) ist das auch so. Da isst man morgens sein Frühstück von Styropor-Geschirr und mit Plastikbesteck. Es scheint also leider eine Kostenfrage zu sein — besonders in Kantinen.
  • Getränke gibt es sehr viel in kleinen Flaschen (0,5 L). Wie oben erwähnt gibt es keine Mehrwegflaschen.

Ich finde den Wettbewerb gut, auch wenn ich überrascht war und mir das Schmunzeln nicht verkneifen konnte. Es gibt wirklich viele, die das auch ernst nehmen und wirklich viel recyclen! All die anderen sollen daran gewöhnt werden, dass es mehr als nur einen Mülleimer gibt.

Jeden Monat gibt die entsprechende Abteilung der Uni Auskunft darüber, wie viel Strom verbraucht wurde und wie viel recyclet (?) wurde. Außerdem sind immer Tipps dabei, wie man Energie sparen kann.

Der grüne Punkt (oder: das duale System)

Ich weiß nicht mehr, wo ich genau darüber gelesen habe, aber der Grund hinter dem Gelben Sack ist ja ein Gesetz, das den Hersteller vorschreibt, die Verpackungen zurückzunehmen. Weil die das aber nicht alle machen können, wurde eine Firma gegründet, die das übernimmt — gegen Bezahlung.

Das heißt, dass darin eigentlich keine recyclebaren Materialien sollen, sondern nur Verpackungen mit dem grünen Punkt! Wer also den alten Kunststoff-Blumentop reinwirft, macht es falsch — klar, oder?

Angeblich sollen moderne Müllsortieranlagen sogar aus dem Restmüll ähnlich viel bzw. noch mehr verwertbare Materialien “extrahieren” können, als aus der gelben Tonne. Es gibt also durchaus Befürworter, die das sog. Single-Stream-Recycling in Deutschland auch einführen wollen.

Eure Meinung ist gefragt!

Was haltet ihr von der amerikanischen Lösung? Ich persönlich finde das viel einfacher! Tobias und Peter kennen meine Flaschensammlungen aus dem Büro (hört auf zu lachen!) Ich weiß allerdings nicht, ob das wirklich besser für die Umwelt ist und welche Gründe in Deutschland wirklich dahinter stecken.

Update 1. Februar 2010:

Ein neuer Wettbewerb: Licht ausmachen ;-)

Work with your residence hall to reduce electricity use over the next four weeks. The residence hall that reduces the most wins a massive ice cream party, the new Blackout Challenge trophy, and of course bragging rights!

Das ist durchaus keine schlechte Idee. Wir haben in der Schule immer gelernt, das Licht nach Verlassen des Klassenraumes auszumachen oder, wenn es nicht benötigt wird, überhaupt nicht anzumachen. Hier sind die Lichter immer an. Teilweise, weil die Fenster nicht oder nur klein vorhanden sind. Ich habe hier noch keine dunklen Flure erlebt, in denen man erst den Lichtschalter suchen muss. Selbst, wenn die Gebäude z.B. Freitags oder Samstags abgeschlossen sind, ist das Licht noch an. Hmm, komisch, komisch …

2 Kommentare zu “Recycle Mania!”

  1. Peter R. 12 Februar 2010 at 18:56 #

    Ich habe nicht über Deine Flaschensammlung gelacht, ich habe gelächelt…

    In den gelben Sack gehören nur Verpackungen, die den grünen Punkt tragen. Dabei muss man sogar noch unterscheiden wo der grüne Punkt aufgedruckt ist, denn das er aussen auf der Verpackung zu sehen ist heisst noch lange nicht, dass auch eine innere Verpackung (wie bei Keksen z.B.) automatisch in den gelben Sack darf.

    Das Lebensmittelreste durch den Disposer in die Kanalisation geleitet werden, erscheint mir seltsam. In Deutschland soll man auch keine Lebensmittel ins Klo schütten, denn das lockt Ratten an. Vielleicht ist das aber in den USA anders? Genug geklugsch…

    Am Besten man produziert so wenig Abfall als möglich, dann muss man sich auch keine Gedanken um die Entsorgung machen.

  2. Fabian 12 Februar 2010 at 21:09 #

    Das mit der Innen- und Außenverpackung ist genau das absurde am Grünen Punkt. Es geht nicht um der Wertstoffe, sondern darum, für was die Entsorgung vorab bezahlt wurde.

    Beim Disposer werden die Abfälle nicht wie bei der Toilette in Stücken den Abfluss heruntergespült, sondern in etwa püriert. Dann vermischt und verdünnt sich alles mit Wasser und soll demnach einfacher zu entsorgen sein. Beim Komposthaufen hat man ja auch das Essen/Ratten-Problem.

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