Von wegen Denglisch!

In Deutschland meckern wir immer gerne über die Verwendung von englischen Wörtern in unserer Sprache. Dass es im Englischen aber gefühlt mindestens genauso viele deutsche Wörter gibt, verwundert mich immer wieder.

Aus Mangel an englischen Bildern, habe ich ein paar lustige Denglisch-Beispiele eingefügt.

Die Altbekannten

broetchenKindergarten ist das wohl bekannteste deutsche Wort, das neben Gesundheit immer gerne in diesem Zusammenhang erwähnt wird. Da mir die Definition von Kindergarten nicht so ganz klar ist, stürzte ich mich lieber auf Gesundheit. Das habe ich hier nämlich noch nicht gehört. Man sagt hier “Bless you!”.

Schon öfter gelesen …

Beim Lesen von englische Blogs oder Zeitschriftenartikeln bin ich schon mehrere Male auf die Vorsilbe uber- (oder sogar über-) gestoßen. Das fand ich immer verwirrend bis ich irgendwann mal nachgeschaut habe. Es wird im Englischen so verwendet wie wir im Deutschen die Vorsilbe super- benutzen. Die Website germanenglishwords.com erklärt das etwas genauer.

Erst im Studium bemerkt

  • Zeitgeist – Hallo? Ja habt’s ihr denn keine eigenen Wörter?! Lediglich die Kleinschreibung ist hier anders. Die Bedeutung bleibt.
  • Spiel ist mir bei einem Seminar über meinen Elevator Pitch aufgefallen. Das wiederum ist eine kurze Rede, die maximal 30-Sekunden lang ist, und andere Leute von einem Produkt oder sich selbst überzeugen soll. Die Bezeichnung kommt von der Zeit, die ein Vertreter in einem Fahrstuhl verbringt und während der Zeit eine andere Person überzeugen soll. Zurück zum Spiel: Das wird dann benutzt, wenn jemand eine andere Person überreden will, jedenfalls ist das mein Verständnis nach einer Erklärung während des Seminars.

Frau oder Saxophonspieler? Rubin-Vase Gesetz der Geschlossenheit

  • Gestalt ist mir im Zusammenhang mit Design-Psychologie in einer der Vorlesungen untergekommen. Am besten kann man das Thema mit Bildern erklären, die meist zweideutig sind (1+2) oder denen eigentlich wichtige Teile fehlen, die aber vom Gehirn automatisch ergänzt werden (3). Übrigens schreibe ich darüber grad eine Hausarbeit…

Was sagt mir das über die deutsche Sprache?

Lärm ist OUTBestimmte Lehnwörter aus dem Deutschen machen mich etwas nachdenklich. Haben etwa wir diese Dinge “erfunden”? Schadenfreude und Besserwisser sind von der Bedeutung gleich, wobei es für das letzte auch andere Wörter gibt.

Eingeenglischt

  • coffee klatch – Jap, das heißt Kaffeeklatsch
  • foosball (“Fußball”) ist nicht etwa Soccer, sondern Tischfußball. Hmm, warum sagt man bei uns “Kicker”? ;-)

Das Letzte

Scheiße (scheißah) sagen Leute hier, wenn sie das F-Wort nicht benutzen möchten. Das finde ich interessant, weil in Deutschland lieber in solchen Situationen F&%§ benutzt wird, um nicht Scheiße sagen zu müssen. Als ich mit dem Orchester in England war und Bernd beiläufig “Ach schitt” gesagt hat, gab es von unserer Gastmutter einen bösen Blick und die entsprechende Zurechtweisung.

Sag's doch Englisch

4 Kommentare zu “Von wegen Denglisch!”

  1. Jonas 20 Oktober 2009 at 06:43 #

    Hach, sowas könnte ich stundenlang lesen! Superinteressant!

    Und die Schadenfreude habe glaube ich wirklich die Deutschen erfunden.

    Gruß

  2. Kathi 21 Oktober 2009 at 03:44 #

    oooooooh, was für ein schöner Beitrag, da lacht mein Linguisten-Herz. Coffee klatch ist ja klasse. May I read your hausarbeit, sounds interesting, too!
    Greetings from the >hausfrau<

  3. Fabian 21 Oktober 2009 at 12:36 #

    Hmm, “Hausarbeit” habe ich nur fett gemacht, es ist aber kein Wort, das hier benutzt wird. Ich hab es deshalb entfettet.

  4. Kathi 23 Oktober 2009 at 15:03 #

    Sorry, das warst ja gar nicht Du. Das hieß doch an der Uni immer so. Auch die Dozenten haben sich schon mal vom “paper” oder “essay” oder was auch immer abbringen lassen und “hausarbeit” gesagt. Tschuldigung, ich habe mich da mißverständlich ausgedrückt.

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